Kimberley von oben (Bungle Bungles – Lake Argyle – Kununurra)

Wir entschieden uns auch ohne funktionstüchtiges Ersatzrad in den Purnululu NP (genannt Bungle Bungles) zu fahren. Da Karfreitag war, hatte das Visitor Center in Halls Creek leider zu; auch bei der Polizei war niemand, der uns etwas zum Zustand des 53 km langen 4WD-Tracks sagen konnte. Aber die nette Dame des Caravan Parks am Anfang des Tracks sagte uns „it doesn´t get better than this, it has just has been graded“ und dass Helispirit gerade angefangen hat wieder Rundflüge im NP anzubieten. Also riefen wir dort an, buchten einen Rundflug für den nächsten Morgen und fuhren los, nachdem wir den Reifendruck noch etwas verringert hatten, damit es nicht so schüttelt.

 

 

Apollo hatten wir leider immer noch nicht erreicht wegen des Reifens… Daher konnten wir auch nicht mitteilen, dass wir in den NP fahren wollen, was wir eigentlich hätten machen müssen (es gibt einige Straßen, die erst nach Genehmigung gefahren werden dürfen, dazu gehören ua die Straße nach Cape Leveque, die Gibb River Road, und die Bungle Bungles). Aber so wild war die Straße wirklich nicht, etwas Achterbahn-Fahrt über Hügel und Berge, einige trockene river crossings und eine gute Stunde später kamen wir am Eingang des Nationalparks an. Bis zum Visitorcenter, das leider schon zu war, waren es nochmal 20 km und weitere 10 bis zum einzigen derzeit geöffneten Campground. Im letzten Sonnenlicht suchten wir uns ein Plätzchen. Wir staunten nicht schlecht, als wir gegenüber einen superschönen, hellblauen Bulli entdeckten (T2, 1972) – dass der die Strecke geschafft hat! Später quatschen wir mit dem Paar aus Perth und tauschen einige Tipps aus. Sie sind mit ihrer „Maid Marion“ von Darwin nach Perth unterwegs, gemeinsam mit den Eltern auch im T2, die aber wegen einer Panne ein paar Tage hintendran sind.

Am nächsten Morgen gings früh raus, um 7 Uhr sollte der Heli-Flug losgehen. Aber der erste Hubschrauber, in dem wir saßen, wollte nicht starten. Es musste der zweite fertig gemacht werden und wir konnten erst eine dreiviertel Stunde später starten, was uns aber sehr entgegenkam. Frühmorgens war es nämlich ziemlich bewölkt gewesen und nun wurde es immer blauer. Es war mein erster Heli-Flug und ich war etwas aufgeregt, aber es war supercoooool, vor allem weil der Heli keine Türen hatte! Das war zum Fotografieren perfekt. Wir sahen nun die ganze Bungle Bungles Range mit den Gorges und beehives von oben, anschließend wollten wir die Gegend noch auf ein paar Hikes erkunden. Und ich bin froh, dass wir die Chance hatten beides zu erleben, die Felsformationen, die zum Teil aus der Luft tatsächlich wie schwarz-orange gestreifte Bienenkörbe aussehen, wirken vom Boden aus ganz anders. Aus einem Sandsteinplateau wurden durch Erosionen seit Millionen von Jahren diese schönen Felsformationen geschaffen. Das rot-orange stammt vom Eisenoxid und die schwarzen Streifen kommen von Cyanobakterien. Aus der Luft war das besonders gut zu sehen: in der Mitte der Bungle Bungles das Plateau und zu den südlichen und westlichen Rändern die stärker erodierten kuppelförmigen Felsen und savannenähnliche Landschaft.

Am Nachmittag und am nächsten Tag wanderten wir in die Chathedral Gorge, Mini Palms Gorge und Echidna Chasm. Wobei Mini Palms Gorge der anstrengendste, aber auch der schönste Hike war. Im trockenen steinigen Flussbett ging es immer weiter hinein in die Gorge bis zu zwei Lookouts zwischen den riesigen orange-roten Felsen mit Blick auf viele Livistona Palmen. Das Ganze im Spätnachmittagslicht… trotz der enormen Hitze und einiger Fliegen super schön!

Nach einem leckeren Ostersonntagsfrühstück (zur Abwechslung zum Müsli gabs mal Toast mit Avocado) und einem weiteren Hike war es Zeit weiterzufahren. Für den Dienstag hatten wir einen Tagesausflug von Kununurra aus gebucht. Wandjina Explorer – einen Scenic Flight über den Osten der Kimberley-Region. Aber zuerst folgten wir dem Tipp der Perther und verbrachten die Nacht und den nächsten Tag am Lake Argyle Campground. Das Besondere war der Infinity Pool mit Blick über den zweitgrößten Stausee Australiens! Den nutzen wir auch ausgiebig, denn im Stausee möchte man nicht schwimmen: hier leben zwischen 20000 und 30000 Freshies (Süsswasserkrokodile). Es war einiges los, viele Familys, die über Ostern ein paar Tage hier verbrachten, und abends gab es Livemusic im beer garden.

Am Dienstagmorgen mussten wir also wieder ziemlich früh raus, um halb 7 wurden wir eingesammelt und zum kleinen Flughafen gebracht. Während wir auf unseren Piloten warteten, unterhielten wir uns mit einer älteren Aborigine-Dame, die als Guide für Kingfisher Tours arbeitet und uns einiges über die Kultur und Sprachen der hier lebenden Stämme erzählte. Wir waren die Einzigen für den Tagestripp, und so gab es in der Cessna neben unserem Piloten und Guide Marco noch Platz für den Trainee Jake. Wir bekamen eine kurze Sicherheitseinweisung und ein paar Infos, wie der Tag verlaufen würde, dann flogen wir endlich los.

Die erste Stunde flogen wir nach Nordwesten über die Stations El Questo, Home Valley und Drysdale, über die Cockburn Ranges und die Gibb River Road. Viehzucht wird meist nur noch nebenbei betrieben, inzwischen fokussieren sich die Stations auf Renaturierung und Tourismus. Von oben eine Menge „Nichts“ – rote Erde, Felsen, Bäume, ausgetrocknete Creeks und Rivers, aber ganz hübsch. Spannender wurde es als wir zu den Mitchell Falls kamen und diese mehrmals umkreisten. Obwohl es hier während der „Wet“ auch nicht viel geregnet hatte, führte der Fluss genug Wasser, so dass die Wasserfälle ziemlich cool aussahen. Weiter ging es Richtung Küste, über viele kleine Inselchen, türkis-blaues Wasser, weiße Strände und Perlenzuchten. Von dieser entlegenen Küstenregion ist es näher zu den Inseln Indonesiens in der Timorsee, als zur nächsten australischen Stadt. Wunderschön von oben, und fast alles nur aus der Luft oder vom Wasser aus zu erreichen. Am späten Vormittag landeten wir in Kalumburu, einer ehemaligen Mission und Aboriginalgemeinde. Eigentlich hätte uns ein local guide herumführen sollen, aber über die Osterfeiertage hat die Organisation wohl nicht so gut geklappt. Also schauten wir uns nach einem kleinen Picknick-Lunch einfach ein bisschen auf eigene Faust in dem kleinen Museum, der Kirche und in der ausgebrannten Backerei um. Die Artgallery war leider auch geschlossen. Marco zeigte uns neben dem kleinen Airstrip noch ein paar Fliegerwracks aus dem zweiten Weltkrieg und dann hoben wir wieder ab zum zweiten Teil des Scenic Flights. Nun flogen wir über den schönsten Teil der Küste, mal rechts mal links von uns zu sehen, und wir knipsten viele Fotos. Leider sind viele nicht so toll geworden, da die Scheiben mit einer Folie versehen waren und das Licht ungünstig stand. Weiter die Küste entlang Richtung Südosten wurde das Meer brauner, wir sahen große muddplaines, die nur in der Wet Season unter Wasser stehen, Flüsse, weitere Gorges und die King Gorge Falls. Kurz bevor wir nach Kununurra zurückkamen, flogen wir über die riesige Mündung des Ord Rivers und diesen landeinwärts auf der Suche nach Salties, die die Flüsse hier in Norden bewohnen und bis zu 150 km landeinwärts schwimmen, wo sich Salz- und Frischwasser vermischen.

Ziemlich geflashed von den vielen schönen Aussichten und unterschiedlichsten Landschaften, die wir den Tag über gesehen hatten, kamen wir zurück zu unserem schönen Campground am Lake Kununurra und ließen den Tag gemütlich ausklingen bei leckerem Seafood und Wein.

Die Kimberleys sind schon eine spezielle, sehr einsame und wunderschöne Gegend in Australien, die uns trotz der nicht immer einfachen Reisebedingungen sehr gut gefallen hat!

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