West Kimberley (Cape Leveque – Gibb River Road – Fitzroy Crossing)

Joana wollte ja schon länger zum Cape Leveque und da die Straße nach dem Regen am Samstag wieder geöffnet wurde, nutzen wir die Gelegenheit. Von Broome aus sind es ein wenig mehr als 200 km direkt nach Norden zum Cape Leveque. Es sind aber mehr als 80 km ungeteert und es wird ein 4WD empfohlen. Ich kann nur sagen, ohne geht’s nicht. Gleich am Anfang gings schon los, eine rote Schlammpiste, die wie sich wie ein Kanal durch die Landschaft zieht. Immer wieder kommen Wasserlöcher, die man durchfahren muss, es ist schmierig und das Auto sieht hinterher aus wie die…

 

 

Aber das gehört auch dazu, und offroad auch on the road macht hier einfach mal Spass. Nach 3 Stunden sind wir dann am Cape angekommen und wir fuhren zum Kooljaman Campground. Wir waren die einzigen Camper, ist ja noch Vorsaison, da bis jetzt wet season war. Voll wird es hier im Juni/Juli, dann brummt der Bär rund um Broome. Wir konnten uns also einen schönen schattigen Stellplatz aussuchen und gingen erst mal zum Meer. Und es war einfach nur toll, rote Felsen am weißen Strand, blauer Himmel und hellgrüne Bäume, so schöne Farben. Das Meer selbst war auch super, fast schon zu warm um abzukühlen, ca 30°. Wir lagen einfach nur ein wenig im Wasser und genossen den Nachmittag. Uns wurde gesagt, dass hier keine Salzwasserkrokodile unterwegs sind und auch keine gefährlichen Quallen. Dies ist leider ein Problem nördlich von Broome. Hier ist Krok-Land und da ist Vorsicht angebracht. Keine hundert Meter von unserem Stellplatz leuchtete dann in der Nacht der kleine weisse Leuchtturm, nur für uns. Als ich abends unter die Dusche bin, musste ich aufpassen, im Männerbereich waren da einige Frösche unterwegs. Es hingen schon Schilder, dass man den Klodeckel schließen, soll sonst würden die grünen Freunde reingehen, aber hier waren diese in der rechten Dusche. Ich zählte am Schluss 9 Stück von ihnen.

Am nächsten Morgen gingen wir nach dem Frühstück schnorcheln. Das Wasser war viel klarer als an der Westküste, aber es gab nicht so viele Korallen. Wir genossen es, nochmal schnorcheln zu können. Am späten Nachmittag gings dann zur anderen Seite an den western beach, hier waren alle Felsen rot.  Wir machten ein paar Fotos, konntem einem Seeadler-Pärchen zuschauen, das an den Klippen entlangflog und machten auch unseren Sundowner hier.

Am Montagmorgen gings dann wieder zurück auf der Matschstrasse. Zurück am Highway noch ein kurzer Stopp in „The Mango Place“, leider ist gerade keine Mangoseason, aber es gab leckeren Lunch und Mangosmoothie. Dann fuhren wir noch 200 km nach Derby, dem Anfang der berühmten Gibb River Road. Dazwischen war mal wieder nicht viel zu sehen, nur ein kerzengerader Highway, Termitenhügel, Baobab- und Eukalyptus-Bäume und Gras. Hin und wieder mal ne Brücke, die Flüsse haben etwas mehr Wasser als weiter unten im Süden. Kurz vor Derby besuchten wir den berühmten Gefängnisbaum (prison tree), ein alter, riesiger Affenbrotbaum oder Baobab genannt, die Aussies nennen sie nur Boab. Der Baum ist innen hohl und hat 15 m Umfang. Hier wurden Ende des 19. Jahrhunderts von der Polizei Gefangene über Nacht eingesperrt. Sachen gibt’s. In Derby dann mal wieder das Visitor Center besucht um uns die aktuellsten Infos zu besorgen. Und wir bekamen gute Nachrichten. Die Gibb River Road ist seit heute offen und die ersten Nationalparks öffnen nun langsam. Das Problem ist nämlich, dass man nur auf Campgrounds übernachten darf und diese befinden sich in den Nationalparks. Der Rest des Landes gehört zu verschiedenen Rinderfarmen oder Aboriginal Communities, für die man Permits braucht. Also beschlossen wir am nächsten Morgen aufzubrechen. Zuvor mussten wir aber noch unsere Vorräte aufstocken, tanken und einen Campingplatz für diese Nacht suchen. Nach dem alles getan war wollten wir noch was Essen gehen, was aber nicht so einfach war in diesem Städtchen. Obwohl es anscheinend 5000 Einwohner hat, also für westaustralische Verhältnisse eine Großstadt, ist hier mal gar nichts los. Wir wollten ein einem Bistro was essen gehen, das hatte aber zu. So landeten wir bei einem kleinen Japaner. Ein etwas komischer Laden, aber das Essen war ganz in Ordnung. Auf dem Heimweg durch Downtown Derby so gegen 19:30 sahen wir ungelogen keinen Menschen, was machen die hier bloß…

Am Dienstag gings dann los, am Anfang der Gibb machten wir noch einen kurzen Stopp in einer Aborigine Art Gallery und sahen einen kurzen Infofilm über die Geschichte und Vertreibung der drei in dieser Region heimischen Stämme und über ihre Kultur. Ihr wichtigster „spirit“ (so eine Art Gott) ist für die 3 Stämme, die nördlich der Gibb River Road leben, der Windjana. Diese Gottheit schuff das Land und machte ihre Regeln und Gesetze. Das ist interessant, da für viele andere Stämme die Regenbogenschlange der wichtigste spirit ist.

Dann gings weiter, die ersten 100 km der Gibb River sind übrigens geteert, danach führt die gravel road 700 km nach Nordosten. Da es dieses Jahr wenig geregnet hat, wurde die Gibb schon früher geöffnet, das ist immer von der wet season abhängig. Daher war sie gerade erst gegraded worden und gut zu fahren. Wir fuhren weiter bis zum ersten Highlight, der Windjana Gorge. Diese ist Teil des devonian reef, vor 370 Millionen Jahren war hier ein tropisches Meer bzw ein Riff. Heute steht hier eine 100 Meter hohe Felskante, die sich mehrere Kilometer ins Land zieht. Durch die Gorge schlängelt sich der Lennard River und hat mehr oder weniger Wasser. Für den 3,5 km langen Hike wurden 4 Stunden veranschlagt, die wir auch brauchten. Es war extrem heiß und nach dem ersten Drittel, der durch Fußbett führte, konnten wir oft den Weg nicht mehr finden und mussten uns durch das Gestrüpp kämpfen. War keine leichte Aufgabe. Aber da der Park ja erst seit dem heutigen Tag geöffnet hat, kann man auch nicht erwarten, dass alles schon pikobello ist, wir sind ja auch nicht in Deutschland, sondern im Busch von Australien. Es war ein anstrengender aber interessanter Walk. An manchen Kalksteinfelsen konnte man Versteinerungen sehen und wir sahen auch einige Süsswasserkrokodile. Da diese im Wasser lagen, konnten wir leider kein Bad nehmen. Die Süsswasserkrokos sind zwar viel kleiner (2-4 m) als die gefährlichen Salties, aber man will trotzdem nicht gebissen werden. Am Abend wurden wir dann wieder mal von den Moskitos gebissen, aber da haben wir uns auch schon dran gewöhnt. Dafür hat es kaum noch Fliegen. Es ist interessant, entweder man hat das eine oder das andere. Schlimmer ist aber die Hitze, vor allem am Abend. Es dauert ewig bis es im Camper mal abkühlt, aber das gehört hier nun mal auch dazu.

Am nächsten Tag gings dann die nächsten 100 km zur Bell Gorge weiter, einer der bekanntesten und schönsten Spots an der Gibb River Road. Auch hier hätte man mit einem normalen Auto fahren können, aber die letzten 30 km, die dann zur Gorge abgehen, wurden dann doch ein wenig interessanter. Es kamen die ersten kleinen Flussüberquerungen mit dem Auto. Aber wirklich tief wars nirgends. Dieser Nationalpark wurde auch gerade erst geöffnet, alle Toiletten am Campground und am Startpunkt zur Gorge waren noch verschlossen oder nicht gereinigt, Klopapier gabs auch nirgends, und richtig schön war der Campground auch nicht. Aber wir gingen zuerst mal Richtung Gorge, 3,5 km waren angegeben. Diesmal mussten wir uns nicht durch das Dickicht kämpfen, aber heiß war es trotzde. Von oben hatten wir einen schönen Blick über den Wasserfall in die Gorge, wo es einen schönen Pool zum Baden gab. Noch kurz das letzte Stück über Steine und Geröll geklettert, waren wir auch schon unten und sprangen gleich ins Wasser. Wir waren leider nicht alleine, dauernd kamen andere Touris und genossen den Sprung ins Wasser. Wir trafen wieder auf ein holländisches Pärchen, dass wir auf unserer Walhai-Tour kennengelernt hatten. Obwohl Australien so groß ist, trifft man sich doch immer wieder. Nachdem wir den Mittag hier verbracht hatten entschieden wir uns nicht auf dem Campingplatz hier zu bleiben, sondern wieder zum schönen Windjana Campground zurückzufahren. Wir mussten dort sowieso am nächsten Tag wieder vorbei. Da die anderen Nationalparks noch nicht geöffnet sind, wollten wir auf der Gibb nicht weiterfahren. Unser Plan war auf dem Weg zum Highway den Tunnel Creek NP zu besuchen und dann von dort Richtung Fitzroy Crossing zu fahren, was auf dem Weg zu den Bungle Bungles liegt. Ansonsten hätten wir einen weiten Weg vom Ende der Gibb River wieder nach Süden zurückfahren müssen. Also übernachteten wir ein zweites Mal im Windjana Campground und kamen pünktlich zum Sunset an, der die Felswand in schönes Licht tauchte.

Am nächsten Morgen musste ich erst mal einen unserer großen Benzinkanister ins Auto umfüllen, sonst würden wir es nicht mehr bis nach Fitzroy Crossing schaffen. Auf der gesamten Gibb gibt es nur zwei Roadhouses, die Benzin oder Diesel haben, aber diese sind auch nicht immer geöffnet. Also immer Ersatzkanister mitnehmen, wir hatten zuvor extra 2 aufgefüllt, haben ja auch extra einen Platz dafür. Dann gings zum Tunnel Creek NP, einer Höhle mit Fluss, in der auch Fledermäuse leben, ebenfalls Teil des früheren Riffs. Wir waren schon ganz gespannt. Der Einstieg in die Höhle war ein Gekraxel, wir mussten auch unsere Stirnlampe bzw. Taschenlampe mitnehmen. In der Höhle gabs dann auch noch nasse Füße, wir mussten durch das kalte, dunkle Wasser waten und hin und wieder flog eine Fledermaus an uns vorbei. Zwischen den Steinen sprangen kleine braune Minifrösche umher, im Wasser sah man Fische und 15 cm lange Krebse rumschwimmen. Nach ein paar hundert Metern kamen wir zu einem Höhleneinbruch, wo die Sonne in die Höhle schien.  Von hier aus sind wir noch ca. hundert Meter weiter bis wir den andern Höhlenausgang sahen. Auf dem Rückweg versuchten wir noch ne Fledermaus zu fotografieren, ob das etwas geworden ist, weiß ich aber noch nicht.

Die letzten ca. 100 km nach Fitzroy Crossing waren in einem schlechteren Zustand als die Gibb River, immer wieder kamen harte Schläge, weil es Löcher in der Straße gab. In Fitzroy Crossing gabs außer einem IGA (Supermarkt) nicht viel, aber wir fanden ein sehr leckeres Cafe, in dem wir leckere Burger und Smoothies essen bzw tranken. Beim Tanken sah ich dann, dass einer unseren Reifen Luft verloren hatte. Ich hatte gleich das Gefühl, dass der wohl hinüber ist, aber ich habe keine Beschädigung von außen gesehen. Also den Reifen nochmals vollgepumpt und zum Riverside Campground gefahren. Hier tummelten sich am Abend ca 30 Wallabys um uns herum, die sich nicht aus er Ruhe bringen ließen und im Schatten lagen oder Gras fraßen. Am nächsten Morgen war dann der Reifen wieder down. Mist. Wir haben dann erstmal Apollo angerufen und die meinten nur, dass wir am Karfreitag keinen neuen Reifen bekommen würden, aber es würde jemand kommen und den Reifen wechseln. Wir hatten ja extra Road Assistance und Reifenversicherung dazu gebucht. Nach knapper ner Stunde kam ein Anruf das es nochmals 2 Stunden dauern würde, bis der Pannenservice käme, also sagt wir den ab und wechselten den Reifen selbst auf dem Campingplatz. Bei der australischen Hitze schon morgens um 8 Uhr ist das ein wenig schweißtreibend, aber ein Glück war ja eine Dusche in Reichweite. Und wir fanden den Übeltäter, eine Schraube steckte im Reifen, dadurch verloren wir zwar nur langsam Luft, aber er wurde halt platt. Danach gingen wir nochmals ins Cafe vom Vortag und gönnten uns erstmal ein leckeres Frühstück. Nun war die Überlegung was tun, der Plan war eigentlich in den Bungle Bungle NP zu fahren, dass wären dann aber 50 km 4WD-Track und wir hatten ja keinen Ersatzreifen mehr. Einen Rundflug wollten wir auch noch über die Bungle Bungles machen, dafür gibt’s einen Heliplatz im Park oder an einem der Roadhouses außerhalb.  Wie es weitergeht kommt im nächsten Artikel von Joana.

4 thoughts on “West Kimberley (Cape Leveque – Gibb River Road – Fitzroy Crossing)

  1. Hallo Sylvia, tja, das weiß ich auch noch nicht so genau… Aber ich hoffe mal auf einen schönen Frühling, der uns das Ankommen leichter macht;-). Liebe Grüße und bis Ende nächster Woche!

  2. Hallo Ingrid, gerade veröffentlichen wir den nächsten Artikel ;-). Sind etwas hintendran, die letzten Tage in Australien haben wir nicht so recht die Zeit gefunden. Inzwischen sind wir in Singapur und es wird wohl noch 2 weitere Artikel geben, vermutlich den letzten dann, wenn wir wieder gelandet sind. Liebe Grüße und bis bald!

  3. Haben nun bereits 10 Tage nichts mehr von Euch gehört – ist alles gut ??? Wann kommt denn Euer allerletzter Bericht ?????
    Liebe Grüsse von Ingrid

  4. Wird ja immer besser, grandios ihr zwei Glückspilze, so schön da. Wie wollt ihr euch hier wieder zurechtfinden im schwarzwälder Alltag ??
    So schöööön – Sylvia

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